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By me., on März 11th, 2010
Wie behält man in Krisenzeiten seinen Job bzw. wie findet man einen neuen? Und was macht gute Arbeiter und Angestellte aus? Fragen, die gerade unzähligen Leuten bei irgendwelchen Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen aufgedrängt werden, und auf die sie wahrscheinlich ähnliche schräge Antworten erhalten wie der “Held” in How to Keep a Job (USA 1949, 12 min.), einem kurzen amerikanischen Arbeitserziehungsfilm von Coronet Instructional Films aus dem Jahr 1949:
Der knapp zwanzigjährige Angestellte Ed Blakeslee hat nach 18 Monaten infolge betrieblicher Rationalisierungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen seinen Job verloren und befindet sich nunmehr auf der Suche nach einem neuen Lebensunterhalt. In einer Zeitung liest er, dass die Firma ‘Star Products Co.’ einen “ehrgeizigen jungen Mann” suche. Charaktereigenschaften seien wichtiger als Berufserfahrungen.
Blakeslee beschließt ergo, sich bei der Firma vorzustellen, und bekommt während seines Vorstellungsgesprächs von Mr. Wiley, dem Repräsentanten von ‘Star Products’, gehörig den Kopf gewaschen. Über Entlassungen im Kontext periodischer Umstrukturierungs- und Reorganisationsphasen brauche man sich nicht zu beschweren, die seien vielmehr eine ganz natürliche Sache und würden zudem die Spreu vom Weizen trennen. Sicherlich, in guten Zeiten gäbe es auch Arbeit für Leute, die gerade so das Notwendigste verrichten. “But to keep a job when the going gets rough, you need to ensure your job. Make yourself so valuable, your employer can’t let you go.” Und dann gibt’s ein ‘good twin, bad twin’-Märchen aus der Versandabteilung von ‘Star Products’, um Blakeslee und uns die vier wesentlichen Eigenschaften eines guten Arbeiters zu vermitteln: Zuverlässigkeit, Kooperationsbereitschaft, Eigeninitiative und Loyalität. Hmpf …
Enjoy (so möglich):
DownloadVia archive.org
“How to Keep a Job” findet sich übrigens auch auf “Educational Archives 4: On the Job”, einer von Fantoma 2002 auf DVD veröffentlichten Compilation mit 12 amerikanischen Industrie-, Arbeits-, Arbeitssicherheits- usw. Filmen aus den Jahren 1948 bis 1980.
By me., on März 9th, 2010
Kurz mal wieder ein Kino-Hinweis: “Strategie der Strohhalme”, die neue Ausgabe von KanalB, läuft ab Wochenende im Lichtblick im Prenzlauer Berg. Besonders interessant sind der kommende Samstag und Sonntag (13./14.3.) um 17 Uhr, da sich dann Mitglieder von KanalB der Diskussion stellen.
Die Strategie der Strohhalme – Proletarische Unruhe im Industriegürtel von Delhi (kanalB 2010, 59 min., OmU)
Die Region Delhi ist in den letzten 20 Jahren zu einem der größten Industriezentren der Welt aufgestiegen. Die nötige Arbeitskraft kommt aus den ärmeren Regionen Indiens, wo der ländlichen Bevölkerung das Überleben immer schwerer gemacht wird. Im Industriegürtel von Delhi sind daher 4 bis 5 Millionen Industriearbeiterinnen und Industriearbeiter bereit, ihre Gesundheit zu ruinieren für Löhne, die kaum das Überleben ihrer Familien sichern. — Dennoch sind die Menschen dieser Situation nicht ohnmächtig ausgeliefert. Sie suchen nach erfolgreichen Formen kollektiven Widerstands. In Anwesenheit der FilmemacherInnen.
Ort und Zeit: Lichtblick, 13. und 14.3., 17:00 in Anwesenheit von KanalB-Aktivistinnen, 15.3. bis 17.3. um 17.30 Uhr.
Und abschließend noch der kurze Hinweis auf die Beilage der Wildcat Nr. 82 (Herbst 2008), in der Entwicklung, Lebensbedingungen, Organisierungsversuche und Arbeitskämpfe in der Region Gurgaon bereits einmal ausführlich abgehandelt wurden.
By me., on März 5th, 2010
Oops, da ham wa fast den Tipp der Woche vergessen:
Am 8. März 1935, d.h. am Internationalen Frauentag vor 75 Jahren nahm sich die Schauspielerin Ruan Lingyu (*1910) im Alter von 25 Jahren in Shanghai das Leben. Sie habe genug von den Übergriffen der ihr nahe stehenden Männer, schrieb sie sinngemäß in einem ihrer Abschiedsbriefe und schluckte eine tödliche Dosis Schlaftabletten. Als sie wenige Tage später beerdigt wurde, nahmen an ihrer Beerdigung – ein Zeichen ihrer Popularität – weit über 100.000 Menschen teil.

Zum Gedenken an Ruan Lingyu findet am Sonntag, dem 7. März im Chinaclub (Cranachstraße 1, S-Bahnhof Friedenau) eine Gedenkveranstaltung statt. Dort werden ab 16 Uhr – mit englischen Untertiteln – drei ihrer wichtigsten Filme aus den Jahren 1933/34 gezeigt:
16.00 Uhr: Xiao Wanyi (“Kleine Spielzeuge”), 1933. Regie: Yu Sun
18:00 Uhr: Shennü (“Göttin”), 1934. Regie: Wu Yonggang
20:00 Uhr: Xin Nüxing (“Eine Frau neuen Typs”), 1934. Regie: Cai Chusheng

Ruan Lingyu (*1910) stammte ursprünglich aus ärmlichen Verhältnissen. Ihre Eltern waren vom Land nach Shanghai zugewandert. Nach dem frühen Tod ihres Vaters, der als Maschinenschlosser für eine britische Ölgesellschaft gearbeitet hatte, verdingte sich ihre Mutter als Hausmädchen in einer aristokratischen Familie und schickte Ruan als vermeintliche Waise auf eine Eliteschule. Nachdem Ruan infolge tragischer Verwicklungen ihre Schulausbildung abbrechen musste, fand sie schließlich ab 1926 Arbeit als Filmschauspielerin in der Shanghaier Filmindustrie. Ihre vielleicht bedeutendsten Filme entstanden nach dem Einmarsch der japanischen Armee in Nordchina im Januar 1932 und den damit verbundenen Kämpfen in und Bombardierungen von Shanghai im Frühjahr 1932. Als Schauspielerin arbeitete sie für die der KMT nahestehende Produktionsgesellschaft Lianhua, in deren Reihen zahlreiche Sympathisanten und Anhänger der im Untergrund operierenden chinesischen KP arbeiteten, die trotz Repression und massiver Zensur seitens der Kuomintang in den Jahren 1932/37 einen Korpus von Filmen produzierten, der unter dem Label linker bzw. linksradikaler Shanghaier (ArbeiterInnen-)Film bekannt wurde. Ruan übernahm ab Mitte 1932 in einer Reihe der vielleicht nicht wirklich besten, aber doch wichtigen und im Falle von ‘Shennue’ international renommiertesten dieser Filme die Hauptrolle.

In Sun Yus “Xiao Wanyi/Little Toys”, spielt sie eine Dorfhandwerkerin, die sich nur mühsam gegen die ausländische bzw. ausländisch kontrollierte industrielle Massenproduktion von Spielzeugen behaupten kann. Nach dem tragischen Tod ihres Ehemanns und der Entführung ihres Sohns wird sie durch die ständigen Kämpfe der lokalen Warlords schließlich zur Flucht nach Shanghai gezwungen. In den Slums der damals fünftgrößten Stadt der Welt gelingt es ihr, trotz übermächtiger Konkurrenz eine neue Existenz aufzubauen, die aber durch die Angriffe der japanischen Armee im Frühjahr 1932 zerstört wird. Nachdem ihre Tochter und andere ihr nahestehende Menschen ihr Leben in den Kämpfen verloren haben, scheint sie gegen Ende des Films ihren Verstand zu verloren haben, entpuppt sich aber letztlich als einzige Person on screen als bei Trost, wenn sie den Film mit einer flammenden Rede für den antiimperialistischen Kampf beschließt.

Während “Little Toys” die sozialen und politischen Umbrüche in China zwischen 1910 und 1933 dramatisiert und einige Grundkenntnisse in chinesischer Geschichte voraussetzt, zeichnet sich “Shennue/The Goddess”, Ruans international wohl renommiertester Film, durch eine universalere Geschichte ab. Wu Yonggang erzählt in seinem ersten Film die Geschichte einer namenlosen Shanghaier Sexarbeiterin, die durch Straßenprostitution für sich und ihr Kind zu sorgen sucht. Von Polizisten verfolgt, gerät sie in Abhängigkeit zu einem kleinen, dem Glückspiel frönenden Ganoven, der sie in jeder Beziehung ausbeutet. Da sie keinen Ausweg aus ihrer misslichen Lage findet, schickt sie sich in ihre Lage und versucht, ihrem Sohn eine Ausbildung zu finanzieren, bis sich die Situation zuspitzt. “Goddess” gilt im Westen – sicher nicht zuletzt ob seiner scheinbar einfachen Verständlichkeit – weithin als einer der Klassiker des linken Films a la Shanghai, war aber (nicht nur) damals auch in den Reihen der der KP nahestehenden Filmarbeiter bereits umstritten. Spannender Film nichtsdestotrotz, der nicht zuletzt deswegen sehenswert sein könnte, da er, wie Tony Rayns mal meinte, international der erste Film sei, der Prostitution “without equating it with moral degradation” abhandle.

Relativ unbekanntet dürfte dagegen wohl Cai Chushengs “Xin Nüxeng/New Women” sein, Ruans vorletzter Film, der gewissermaßen bereits auf ihren eigenen Tod hinzudeuten scheint, wird in diesem Film doch das Leben der Schauspielerin, Drehbuchautorin usw. Ai Xia dramatisiert, die sich im Jahr 1934 angesichts einer massiven Pressekampagne gegen ihre Person (u.a. wegen gelegentlicher Prostitution) ebenfalls das Leben nahm.
Spannender Abend, wenn ihr euch für präfeministisches und linksradikales Kino der 30er Jahre interessiert. Und sagen wir mal so, in Shanghai wurden damals international so mit die aufregendsten Filme produziert. Ihr werdet wohl nicht allzuviel hinsichtlich der Bildqualität erwarten dürfen, aber die Untertitel sollten doch gut verständlich sein, zumal es sich, um das noch zu erwähnen, zumindest im Fall der ersten beiden Filme um Stummfilme handelt.
Alle Stills auf dieser Seite sind übrigens aus “Shennue/Goddess”, der mit englischen Zwischentiteln auch hier im Internet zu finden ist.
By me., on März 5th, 2010
Oh no, not again … Schon wieder Neuigkeiten aus dem Babylon Mitte, und selbstredend wieder keine guten:
Offensichtlich versucht die Geschäftsführung nun, unliebsame Betriebsräte loszuwerden, indem sie ihnen die Arbeit ausgehen lässt. Dies geht zumindest aus der aktuellen Pressemitteilung der Betriebsgruppe der Freien ArbeiterInnen-Union Berlin vom 4. März 2010 hervor, die wir in vollem Wortlaut unten im ersten Kommentar dokumentieren.
By me., on März 3rd, 2010
Wenn man bedenkt, dass die Verleihung des Goldenen Bären an Zhang Yimous ebenso bildgewaltiges wie problematisches Historiendrama “Red Sorghum/Rotes Kornfeld” im Jahr 1988 so etwas wie die Wiederentdeckung der chinesischen Filmproduktion durch westliche Filmkritiker, Arthaus-Besucher usw. darstellte, so ist es schon erstaunlich, wie uninspiriert die Filmauswahl in Bezug auf die Volksrepublik gerade in diesem Jahr wieder daherkam: Im Wettbewerb fand sich mit Zhangs “Blood Simple”-Remake “A Woman, a Gun and a Noodle Shop” der neueste Film eines der etablierten Granden der sog. ‘Fünften Generation’, in den Nebenprogrammen gab es zudem neben dem bereits erwähnten “Red Sorghum” noch ein paar wenig interessante Martial Arts- und Historiendramen.
Kein Wunder also, dass einige KritikerInnen für eine stärkere Berücksichtigung von Filmproduktionen plädierten, die – i.d.R. als internationale Koproduktionen – am Rande der offiziellen chinesischen Filmindustrie entstehen. Schön wäre das natürlich, doch sei angemerkt, dass auch und gerade bei zahlreichen Protagonisten der sechsten bzw. “urban generation” sich gewisse Etablierungstendenzen nicht verkennen lassen. Man denke nur an Wang Xiaoshuai oder inzwischen auch Jia Zhang-Ke. Hatte sich Jia mit seiner “Hometown Trilogy” (1997-2002), “Shijie” (2004) sowie “Still Life” (2006) als ein kritisch-distanzierter Beobachter der rapiden Transformationsprozesse sowie der sozialen und kulturellen Umbrüche im Zeichen des Übergangs der Volksrepublik zur ’sozialistischen Marktwirtschaft’ einen Namen gemacht, so ist er nach seiner letztlich doch enttäuschenden Dokufiction “24 City” (2008) nunmehr vorerst in Zhangs Metier übergewechselt und bastelt unter dem Arbeitstitel “In the Qing Dynasty” an einem von Johnnie To produzierten, pan-asiatischen Big Budget-Historien-Kung-Fu-Film.
Einen anderen, aber sehr interessanten Weg beschritt im letzten Jahr das New Yorker Film Festival:
Unter dem Titel (Re)Inventing China. A New Cinema for a New Society, 1949-1966 lotete man in einer relativ umfangreichen Retrospektive erstmals die chinesische Filmproduktion zwischen Republikgründung und Beginn der Kulturrevolution aus.
Zu diesem Anlass hat der amerikanische Regisseur und Filmkritiker Kevin B. Lee einen ca. zwanzigminütigen einführenden Videoessay namens “A Revolution on Screen. The Cinema of the People’s Republic of China, 1949-1966″ erarbeitet, der auf den Webseiten des New Yorker Museum of the Moving Image veröffentlicht wurde und den wir trotz aller Kritik sehr empfehlen; auf den im Anschluss verlinkten Seiten des MMI findet ihr übrigens neben dem Film selbst auch leicht gekürzte schriftliche Fassungen der eigentlich aber ganz gut verständlichen amerikanischen Tonspur.
In Movies for the masses — and the smuggling of art, dem ersten Teil des Essays, beschreibt Lee kurz und knapp die zwei zentralen, in den frühen Jahren der Volksrepublik miteinander konkurrierenden theoretischen bzw. praktischen Traditionen linker Filmproduktion, als da wären erstens die dominante Produktion stark propagandistisch ausgerichteter, sich an Maos Yan’aner Reden über Literatur und Kunst (1942), am sowjetischem Film sowie zunehmend auch an den Traditionen und Formen der chinesischen Oper ausrichtende kommunistische “Genrefilm”-Produktion einerseits. Demgegenüber verlor die zweite, sich am Shanghaier ArbeiterInnenfilm der frühen 30er Jahre orientierende Strömung, die Lee – teilweise zu Recht, teilweise zu Unrecht – als ästhetisch ambitionierter, komplexer usw. anpreist, deutlich an Boden und verschwand mit Beginn der Kulturrevolution.
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In Chinese Cinema’s “Seventeen Years”: The Flowering before the Fall, dem zweiten Teil des Essays, gibt Lee dann einen kurzen Überblick über die verschiedenen Genres des kommunistischen chinesischen Films der Nachkriegsjahre (Krieg, Minoritäten, Komödien usw.) und hebt dabei besonders Xie Jin (“first auteur of Communist Chinese cinema”) sowie dessen Film “Wutai Jiemei/Stage Sisters” (1965) hervor, der vielfach als Höhepunkt der chinesischen Filmproduktion vor dem offiziellen Beginn der Kulturrevolution im Mai 1966 angesehen wird.
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Lees Essays sind einerseits ganz schick, weil die hier abgehandelten Filme nicht so einfach zu greifen sind; in der AGB findet man, wenn ich richtig erinnere, nur “New Year Sacrifice”.
Andererseits sind sie aber auch etwas problematisch, da sie in verkürzter und teilweise ziemlich überspitzter Form den dominanten filmgeschichtlichen Narrativ reproduzieren; nachzulesen bspw. in Zhangs durchaus lesenswertem Buch “Chinese National Cinema” (2004).
Recht zweifelhaft ist bspw. die doch sehr simple Gegenüberstellung von Kunst und Politik sowie der Umgang mit den sog. Propaganda- und Genrefilmen. Mal abgesehen davon, dass sich sicher auch andere Kandidaten für den Auteur-Titel finden liessen: Filme wie Xie Jins “Red Detachment of Women” (1961) oder der Rote-Armee-Hochgebirgs-Eastern Visitors on Icy Mountain (1963) lassen sich nicht so einfach als Propaganda-Schrott abtun.
Unhaltbar sind zudem fast durchweg die abschliessenden Ausführungen zur Kulturrevolution. Wenn Lee diese Phase der chinesischen Geschichte als Dekade der Zerstörung und kulturellen Barbarei beschreibt, in der Regisseure und Künstler in Arbeitscamps gesteckt und die Grundlagen der Filmproduktion auf Jahrzehnte erschüttert worden seien, so liefert er damit eine überspitzte Version des chinesischen Witzes, demzufolge sich damals 800 Millionen Menschen die Zeit damit vertrieben hätten, immer wieder die gleichen acht revolutionären Opern- bzw. Balletaufführungen anzuschauen. Dass dem nicht so war, ist nachzulesen in The Chinese Cultural Revolution. A History (Cambridge u.a. 2008), Paul Clarks sehr lesenswerten, wenn auch etwas arg “kunstigen” Untersuchungen über die verschiedenen Formen von Kulturproduktion, -distribution und -rezeption in den Jahren 1966/76.
By me., on März 2nd, 2010
Die Info kommt hier leider etwas spät, aber es freut doch zu hören, dass es während der Berlinale am 19. Februar 2010 auch im Cubix am Alexanderplatz einen neuerlichen Warnstreik der Beschäftigten gab … Also wenn man diese erbärmlichen Arbeitslöhne da wieder sieht … Oi caramba! Hier ein Auszug aus der verdi-Presseerklärung vom 19.02.:
“Für die Kinobeschäftigten im Cubix-Filmpalast fordert die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) die gleichen fairen Arbeitsbedingungen wie im Flächentarifvertrag, der für andere Kinounternehmen gilt. Seit Jahren verdienen die Beschäftigten im Cubix lediglich zwischen 6,57 € und 7,00 €. ver.di hat die Geschäftsführung des Cubix wiederholt zu Verhandlungen aufgefordert, um den Flächentarifvertrag auch im Cubix einzuführen. Doch dies wurde abgelehnt. “Es ist skandalös, wie ein in Berlin erfolgreiches Kinounternehmen mit seinen Beschäftigten umgeht. Sie werden sich jetzt wehren, um endlich den Tarifschutz zu erkämpfen, den die Cubix-Geschäftsführung ihnen verweigert, daher ist ein Streik notwendig“, erklärte Dietrich Peters, zuständiger ver.di-Gewerkschaftssekretär.
Der Arbeitgeber hat nicht auf den Warnstreik vom Dezember 2009 reagiert. ver.di fordert weiterhin eine Entgeltsteigerung von mindestens 10 Prozent.”
Ein paar Bilder vom Streik findet man in dieser Folge von Ver.dis streik.tv (7:25-8:00). Verständlich ist natürlich die Skepsis aus den Kreisen der Beschäftigten des Babylon Mitte, durch die wir überhaupt erst auf diesen Warnstreik aufmerksam gemacht wurden.
By me., on März 1st, 2010
Dass mag nun mit dem Thema “Film und soziale Bewegungen” nicht ganz so viel und direkt was zu tun haben, aber da ein wenig Werbung für diesen offensichtlich in recht kurzer Zeit hochgezogenen “Diskussions- und Vernetzungsevent” nicht schaden kann, hier ein kurzer Auszug aus der aktuellen Einladung zu “Who Cares? Queerfeminismus & Ökonomiekritik”, der vom 4.-7. März 2010 v.a. in Berlin-Neukölln (FAQ, Tristeza und, hoppla, Werkstatt der Kulturen) stattfinden wird:
“Wir wollen gemeinsam mit Euch diskutieren, welche Brisanz und Wichtigkeit queer-feministische Positionen für eine Ökonomie- und Gesellschaftskritik haben. Wir wollen überlegen, wie wir die kapitalistische, heteronormative und gesellschaftliche Reproduktion analysieren und kritisieren können. Und wir wollen uns eine alternative Gesellschaft vorstellen, die jenseits von Ausschlusskriterien wie Klasse, Geschlecht, Nationalität oder fragwürdigen, individuellen Fähigkeiten ein gutes Leben für alle anstrebt.
Wir gehen den Fragen nach, mit welchen gemeinsamen politischen Praxis und Kritik wir dem ein Stück näher kommen und wer dabei unsere potenziellen Bündnispartnerinnen und Bündnispartner sein können?”
Das ausführliche Programm mit Kommentaren zu den einzelnen Veranstaltungen steht inzwischen online.

Da es sich hier in erster Linie um ‘nen Filmblog handelt, kurz der Hinweis, dass es neben Sarah Diehls Abortion Democracy (2008) am Freitagabend noch ein ganz interessant aussehendes, “Oh Economy, Up Yours” betiteltes Kurzfilmprogramm geben wird, in dessen Rahmen folgende Kurzfilme zu sehen sein werden:
Mary’s Cherries (Mika Rottenberg 2005, hier ein Interview)
Devil’s Dairymaid (Kym S. Farmen 2008, hier ein Trailer)
K-Corea INC.K (section a) (Ryan Trecartin 2009, 33′, hier der Film);
The Quiet Storm (Jibz Cameron and Hedia Maron 2007, 10′, hier der Film);
Stealing Beauty (Guy Ben-Ner 2007, hier ein Trailer);
Charming for the Revolution (Renate Lorenz & Pauline Boudry 2009, 10′).
Insgesamt sind sicherlich die nicht um Filme kreisenden Veranstaltungen viel interessanter. Aber checkt das doch bitte selbst aus …
By me., on Februar 26th, 2010
Kurz ein Hinweis auf eine vielleicht ganz interessante Veranstaltung in Berlin:
Im Rahmen der noch bis April laufenden Film- und Vorlesungsreihe Koerperräume im frühen Film. Kulturfilme und die Charite, 1895-1948 gibt es am Dienstag, den 02.03.2010 um 17.30 Uhr bei freiem Eintritt in der Hörsaalruine im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité, Campus Charité Mitte, Virchowweg 16 einen Vortrag mit anschließender Filmvorführung zum Thema “Abtreibung und Film”:
Vortrag:
Die Geschichte der Abtreibung im fiktionalen Film
Ursula von Keitz (Bonn, Autorin von: Im Schatten des Gesetzes. Schwangerschaftskonflikt und Reproduktion im deutschsprachigen Film 1918 bis 1933)
Filmvorführung:
“Kreuzzug des Weibes”
Spielfilm, 1926, s/w, stumm, ca. 59 Minuten,
Regie: Martin Berger
Näheres zu Inhalt (Storyline, Stills) und Rezeption (Pressematerialien und Zensurgutachten) des Films von Berger, der sich in kritischer Form mit dem §218 der Weimarer Reichsverfassung auseinanderzusetzen suchte, findet ihr auf den sehr informativen Seiten des Deutschen Filminstituts.
By me., on Februar 22nd, 2010
Es sei mal dahingestellt, ob die unten aufgelisteten Filme irgend etwas taugen – Erinnerungen und im Internet auffindbare Schnipsel lassen da schwer dran zweifeln. Aber ein Hinweis muss an dieser Stelle wohl sein, zumal es sicher möglich ist, diesen Dingern heute wieder etwas abzugewinnen:
Das Zeughauskino im DHM (Berlin) zeigt unter dem Motto “Punk, Pop, Rock. Die Neue Deutsche Welle und das Kino” vom 23. Februar bis 19. März 2010 elf bundesdeutsche Produktionen (schlotter) aus dem Spannungsfeld zwischen Filmhochschule, Filmindustrie und Musikszene der 80er Jahre. Hier der einführende Text aus dem DHM-Programmheft:
“Das populäre westdeutsche Kino der 1980er Jahre steht nicht gerade im Ruf, wiederentdeckt werden zu müssen. Es gilt als berechenbar, sensationslüstern und pubertär. Die Filmreihe PUNK, POP, ROCK wagt nichtsdestotrotz eine Ehrenrettung. Die ausgewählten Filme gehören einer Produktionssparte an, in der sich populäre Musik und Filmindustrie begegnen. Es ist die Zeit der Neuen Deutschen Welle und ihrer zunehmenden Kommerzialisierung und Verwertung, und für das deutschsprachige Publikum entstehen Spielfilme, in denen die Stars der Szene in tragenden Rollen vor die Kamera treten. Die Ärzte, Rio Reiser, Blixa Bargeld, Nena, Dieter Meier, Bodo Staiger, Trio, aber auch Marius Müller-Westernhagen, Udo Lindenberg und Peter Maffay – sie alle haben das westdeutsche Kino in dieser Sparte des Musikerfilms geprägt. Was viele ihrer Filme auszeichnet, sind eine auffällige Diesseitigkeit und Handlungsfreude – oft im Angesicht von Katastrophe und No Future –, und es ist ein Tonfall der Lakonie oder des Unbestimmten. Zwischen Ernst und Komik, Autoren- und Genrefilm, Thriller und Krimiparodie, kritischer Zukunftsvision und temporeicher Militärklamotte wechselnd, ist den Filmen eine Mischung der Stile und Erzählhaltungen eigen, die ihresgleichen sucht. Von der zeitgenössischen Kritik der Feuilletons sind diese Filme, die seit ihren Erstaufführungen von den Kinoleinwänden verschwunden sind, meistens verschmäht worden…”
Termine und nähere Beschreibungen zu den Filmen findet ihr hier, hier kurz noch ein Überblick über die Filme in chronologischer Ordnung:
Total vereist (BRD 1980, R: Hans Noever, M: Ton Steine Scherben, D: Rio Reiser, Adam Alexander Kaz, Kurt Raab, Hanns Zischler, 80’)
Theo gegen den Rest der Welt (BRD 1980, R: Peter F. Bringmann, D: Marius Müller-Westernhagen, Guido Gagliardi, Claudia Demarmels, Peter Berling, Marquard Bohm, 105’) Intro
Jetzt und alles (BRD 1981, R/B: Dieter Meier, K: Gerard Vandenberg, M: Anthony Moore, Dieter Meier, D: Richy Müller, Jean-Pierre Kalfon, Joy Ryder, Dieter Meier, 95’)
Neonstadt (BRD 1981, R: Gisela Weilemann, Helmer von Lützelburg, Dominik Graf, Johann Schmid, Wolfgang Büld, M: D.A.F., Fehlfarben, Joachim Witt, Astor Piazzolla, D: Charles Brauer, Michaela May, Stefan Wood, Axel Milberg, 105’)
Der Fan (BRD 1982, R/B: Eckhart Schmidt, M: Rheingold, D: Désirée Nosbusch, Bodo Staiger, Simone Brahmann, Jonas Vischer, 92’)
Super (BRD 1984, R/B: Adolf Winkelmann, M: Udo Lindenberg, David A. King, D: Renan Demirkan, Udo Lindenberg, Inga Humpe, Günter Lamprecht, Hannelore Hoger, Ulrich Wildgruber, 96’)
Drei gegen Drei (BRD 1985, R: Dominik Graf, D: Stephan Remmler, Gert „Kralle“ Krawinkel, Peter Behrens, Sunnyi Melles, Ralf Wolter, Ute Lemper, 105’) Trailer
Richy Guitar (BRD 1985, R/B/P: Michael Laux, M: Die Ärzte, Plan B, Nena, Roy Dreck Duo, D: Farin Urlaub, Bela B., Sahnie, Nena, Rolf Eden, 95’) Trailer
Der Joker (BRD 1987, R/B: Peter Patzak, M: Tony Carey, Carl Carlton, Frank Diez, Peter Maffay, D: Peter Maffay, Tahnee Welch, Elliott Gould, Armin Mueller-Stahl, Michael York, Marquard Bohm, 97’ ) Trailer
Der Madonna-Mann (BRD 1987, R/B: Hans-Christoph Blumenberg, D: Marius Müller-Westernhagen, Renée Soutendijk, Michel Lonsdale, Peter Kraus, Nina Hoger, Dominique Horwitz, Dieter Kosslick, 90’)
Dandy (BRD 1988, R/B/K/P: Peter Sempel, M: Einstürzende Neubauten, Nick Cave, Yello, Abwärts, Mona Mur, Die Toten Hosen, Ludwig van Beethoven, D: Blixa Bargeld, Nick Cave, Dieter Meier, Kazuo Ohno, Nina Hagen, 93’) Excerpt
Naja … Das hätte man auch anders kuratieren können …
By me., on Februar 19th, 2010
Irgendwie haben wir ganz vergessen, darauf hinzuweisen:
Die FAU hat, was vielleicht tatsächlich nicht unerwartet kommt, den Prozess am 16.02.2010 um die einstweilige Verfügung des Berliner Arbeitsgericht vom Dezember 2009 vor dem Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg verloren; als im Raum Berlin-Brandenburg nicht tariffähige Gewerkschaft ist es ihr weiterhin untersagt, gegen das ‘Babylon Mitte’ zum Boykott aufzurufen usw.
Alle wesentlichen Infos, Presseerklärungen usw. findet ihr auf dieser Labournet-Webpage. Wenn wir richtig sehen, ist damit der Antrag der Geschäftsführung des Babylon auf Verhängung eines Ordnungsgelds oder ersatzweise einer Ordnungshaft für die Sekretäre der FAU Berlin ebenfalls weiterhin auf dem Tisch.
Daher zwei Hinweise:
Erstens findet ihr hier einen Appell an alle Mitglieder und Funktionäre der Gewerkschaften und an alle AnhängerInnen des Grundrechtes zur Bildung freier und unabhängiger Interessenorganisationen der abhängig Beschäftigten für die Verteidigung des Koalitionsrechts und die Aufhebung des Verbots gewerkschaftlicher Betätigung für die FAU Berlin, der noch UnterzeichnerInnen sucht.
Und zweitens startet am morgigen Samstag, den 20. Februar, um 18.00 Uhr, d.h. pünktlich zur Berlinale-Abschlußgala, die Demonstration zur Verteidigung der Gewerkschaftsfreiheit vor dem Berlinale-Palast am Potsdamer Platz mit Ziel Babylon Mitte.
Erscheint zahlreich!
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