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Gedenkveranstaltung für Ruan Lingyu (1910-1935)

Oops, da ham wa fast den Tipp der Woche vergessen:

Am 8. März 1935, d.h. am Internationalen Frauentag vor 75 Jahren nahm sich die Schauspielerin Ruan Lingyu (*1910) im Alter von 25 Jahren in Shanghai das Leben. Sie habe genug von den Übergriffen der ihr nahe stehenden Männer, schrieb sie sinngemäß in einem ihrer Abschiedsbriefe und schluckte eine tödliche Dosis Schlaftabletten. Als sie wenige Tage später beerdigt wurde, nahmen an ihrer Beerdigung – ein Zeichen ihrer Popularität – weit über 100.000 Menschen teil.

Zum Gedenken an Ruan Lingyu findet am Sonntag, dem 7. März im Chinaclub (Cranachstraße 1, S-Bahnhof Friedenau) eine Gedenkveranstaltung statt. Dort werden ab 16 Uhr – mit englischen Untertiteln – drei ihrer wichtigsten Filme aus den Jahren 1933/34 gezeigt:

16.00 Uhr: Xiao Wanyi („Kleine Spielzeuge“), 1933. Regie: Yu Sun
18:00 Uhr: Shennü („Göttin“), 1934. Regie: Wu Yonggang
20:00 Uhr: Xin Nüxing („Eine Frau neuen Typs“), 1934. Regie: Cai Chusheng

Ruan Lingyu (*1910) stammte ursprünglich aus ärmlichen Verhältnissen. Ihre Eltern waren vom Land nach Shanghai zugewandert. Nach dem frühen Tod ihres Vaters, der als Maschinenschlosser für eine britische Ölgesellschaft gearbeitet hatte, verdingte sich ihre Mutter als Hausmädchen in einer aristokratischen Familie und schickte Ruan als vermeintliche Waise auf eine Eliteschule. Nachdem Ruan infolge tragischer Verwicklungen ihre Schulausbildung abbrechen musste, fand sie schließlich ab 1926 Arbeit als Filmschauspielerin in der Shanghaier Filmindustrie. Ihre vielleicht bedeutendsten Filme entstanden nach dem Einmarsch der japanischen Armee in Nordchina im Januar 1932 und den damit verbundenen Kämpfen in und Bombardierungen von Shanghai im Frühjahr 1932. Als Schauspielerin arbeitete sie für die der KMT nahestehende Produktionsgesellschaft Lianhua, in deren Reihen zahlreiche Sympathisanten und Anhänger der im Untergrund operierenden chinesischen KP arbeiteten, die trotz Repression und massiver Zensur seitens der Kuomintang in den Jahren 1932/37 einen Korpus von Filmen produzierten, der unter dem Label linker bzw. linksradikaler Shanghaier (ArbeiterInnen-)Film bekannt wurde. Ruan übernahm ab Mitte 1932 in einer Reihe der vielleicht nicht wirklich besten, aber doch wichtigen und im Falle von ‚Shennue‘ international renommiertesten dieser Filme die Hauptrolle.

In Sun Yus „Xiao Wanyi/Little Toys“, spielt sie eine Dorfhandwerkerin, die sich nur mühsam gegen die ausländische bzw. ausländisch kontrollierte industrielle Massenproduktion von Spielzeugen behaupten kann. Nach dem tragischen Tod ihres Ehemanns und der Entführung ihres Sohns wird sie durch die ständigen Kämpfe der lokalen Warlords schließlich zur Flucht nach Shanghai gezwungen. In den Slums der damals fünftgrößten Stadt der Welt gelingt es ihr, trotz übermächtiger Konkurrenz eine neue Existenz aufzubauen, die aber durch die Angriffe der japanischen Armee im Frühjahr 1932 zerstört wird. Nachdem ihre Tochter und andere ihr nahestehende Menschen ihr Leben in den Kämpfen verloren haben, scheint sie gegen Ende des Films ihren Verstand zu verloren haben, entpuppt sich aber letztlich als einzige Person on screen als bei Trost, wenn sie den Film mit einer flammenden Rede für den antiimperialistischen Kampf beschließt.

Während „Little Toys“ die sozialen und politischen Umbrüche in China zwischen 1910 und 1933 dramatisiert und einige Grundkenntnisse in chinesischer Geschichte voraussetzt, zeichnet sich „Shennue/The Goddess“, Ruans international wohl renommiertester Film, durch eine universalere Geschichte ab. Wu Yonggang erzählt in seinem ersten Film die Geschichte einer namenlosen Shanghaier Sexarbeiterin, die durch Straßenprostitution für sich und ihr Kind zu sorgen sucht. Von Polizisten verfolgt, gerät sie in Abhängigkeit zu einem kleinen, dem Glückspiel frönenden Ganoven, der sie in jeder Beziehung ausbeutet. Da sie keinen Ausweg aus ihrer misslichen Lage findet, schickt sie sich in ihre Lage und versucht, ihrem Sohn eine Ausbildung zu finanzieren, bis sich die Situation zuspitzt. „Goddess“ gilt im Westen – sicher nicht zuletzt ob seiner scheinbar einfachen Verständlichkeit – weithin als einer der Klassiker des linken Films a la Shanghai, war aber (nicht nur) damals auch in den Reihen der der KP nahestehenden Filmarbeiter bereits umstritten. Spannender Film nichtsdestotrotz, der nicht zuletzt deswegen sehenswert sein könnte, da er, wie Tony Rayns mal meinte, international der erste Film sei, der Prostitution „without equating it with moral degradation“ abhandle.

Relativ unbekanntet dürfte dagegen wohl Cai Chushengs „Xin Nüxeng/New Women“ sein, Ruans vorletzter Film, der gewissermaßen bereits auf ihren eigenen Tod hinzudeuten scheint, wird in diesem Film doch das Leben der Schauspielerin, Drehbuchautorin usw. Ai Xia dramatisiert, die sich im Jahr 1934 angesichts einer massiven Pressekampagne gegen ihre Person (u.a. wegen gelegentlicher Prostitution) ebenfalls das Leben nahm.

Spannender Abend, wenn ihr euch für präfeministisches und linksradikales Kino der 30er Jahre interessiert. Und sagen wir mal so, in Shanghai wurden damals international so mit die aufregendsten Filme produziert. Ihr werdet wohl nicht allzuviel hinsichtlich der Bildqualität erwarten dürfen, aber die Untertitel sollten doch gut verständlich sein, zumal es sich, um das noch zu erwähnen, zumindest im Fall der ersten beiden Filme um Stummfilme handelt.

Alle Stills auf dieser Seite sind übrigens aus „Shennue/Goddess“, der mit englischen Zwischentiteln auch hier im Internet zu finden ist.

1 comment to Gedenkveranstaltung für Ruan Lingyu (1910-1935)

  • Stummfilme von Ruan Lingyu…

    Gerade bei Überbau entdeckt: Diesen Sonntag werden in einer Sonderveranstaltung des Chinaclub drei Stummfilme des jung verstorbenen Superstars Ruan Lingyu zu Ehren ihres 75. Todestages zu sehen. Die Filme im einzelnen: l6.00 Uhr: 小玩意 Xiao Wanyi (……

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