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Representing the Slave Trade: „The Amazing Grace“ (Nigeria 2006)

Leider habe ich ja alle Nollywood-Filme, die Rahmen der „Spuren des Dritten Kinos“-Reihe im Berliner Zeughauskino aufgeführt wurden, verpasst – im Fall von Mildred Okwos „30 Days“ ärgert mich das auch sehr, da der Film nicht wie bspw. Saworoide noch auf 9jiatube einsehbar zu sein scheint.

Stattdessen habe ich aber in der Neuköllner ‚Werkstatt der Kulturen‘ im Rahmen der von J. Enoka Ayemba veranstalteten Nollywood-Abende Jeta Amatas „The Amazing Grace“ gesehen, einen Historienfilm, der zugleich die Geschichte des Sklavenhandels aus afrikanischer Perspektive zu erzählen und – stellvertretend für viele Kernelemente der sog. westlichen Kultur – die afrikanischen Ursprünge des berühmten christlichen Kirchenlieds „The Amazing Grace“ zu Tage zu fördern sucht. Amata erzählt in seinem Film eine (fiktive?) Episode aus dem Leben von John Newton (1725-1807). Newton, wie viele Seeleute seiner Zeit zunächst für die Royal Navy zwangsrekrutiert, wechselte in den Sklavenhandel, arbeitete sich zum Kapitän von Sklavenschiffen empor, quittierte um die Jahrhundertmitte die Seefahrt dann aus gesundheitlichen Gründen, wurde zu einem wichtigen Funktionär der Church of England und reihte sich schließlich mit der Veröffentlichung von „Thoughts upon the Slave Trade“ (1788), in der er u.a. die Zustände an Bord der Sklavenschiffe beschrieb, in die Reihen der abolitionistischen Bewegung ein. Amata wiederum beschreibt in seinem Film zunächst das (nicht-)alltägliche Leben und die Praxis der Sklavenjagd im Mündungsgebiet des Calabar im südöstlichen Nigeria und konzentriert sich dann im zweiten Teil ganz auf eine Art Erweckungsgeschichte, in deren Rahmen Newton schließlich anhand immer neuer nobler Handlungen der AfrikanerInnen dazu gezwungen wird, Kernbestände seiner rassistischen Annahmen über Bord zu werfen, einer schwarzen Frau seine Liebe zu erklären und schließlich sein bekanntestes Kirchenlied „Amazing Grace“ (um 1779) auf Basis einer Efik-Melodie zu konstruieren.

Um nicht missverstanden zu werden: Der Film scheint mir sehr abwegig zu sein und die Charaktere, v.a. die beiden afrikanischen Helden, kommen mir reichlich schräge vor, aber vielleicht lässt sich der Film doch fruchtbar machen für die Diskussion der Thesen, die Marcus Rediker und Peter Linebaugh u.a. in „The many-headed Hydra“ entwickelt haben. In Redikers aktueller Monographie The Slave Ship (2007) findet sich dementsprechend ein Kapitel zu John Newton (Chapter 6: John Newton and the Peaceful Kingdom).

Der Film scheint in den USA von einem Label namens Code Black Ent. auf DVD veröffentlicht worden zu sein. Inwiefern er in der BRD aber greifbar ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Hier der Trailer in Kurz- und Langfassung:

Abschließend noch kurz zwei weitere zum Thema passende Hinweise auf Presseartikel der letzten Woche:

Der New Yorker Filmwissenschaftler Manthia Diawara hat in der letzten Woche sein neues Buch über „Neues afrikanisches Kino“ im Haus der Kulturen der Welt vorgestellt. Einen kurzer Bericht über Buch und Veranstaltung aus der taz findet sich hier. Vielleicht hilft das Buch ja bei der Interpretation und Bewertung von Filmen wie „Amazing Grace“, denn, Hand auf’s Herz, ohne Kenntnisse der lokalen Kontexte, aus denen diese Produkte hervorgegangen sind, bleiben Interpretation und Bewertung zweifelhaft. Es wäre daher schön, wenn Film und Buch demnächst zumindest in öffentlichen Bibliotheken zu finden wären …

Und abschließend sei erwähnt, dass die SZ anlässlich der Fußball-WM eine Bildstrecke zum Afrikabild im Film online gestellt hat.

Jeta Amata: The Amazing Grace“ (Nigeria 2006, 100. min.)

2 comments to Representing the Slave Trade: „The Amazing Grace“ (Nigeria 2006)

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