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„Rights“: Kräfteverschiebungen inna di Dancehall?

Das ist doch mal eine gute Nachricht: Ein kanadischer Dancehall-Artist tritt auf seiner neuen Single für schwullesbische Rechte ein.

In den letzten zwei Jahrzehnten sind Reggae und Dancehall ja fast schon zum Synonym für homophobe Musik geworden. Nach ersten Debatten um Buju Bantons ‚Boom By By‘ (1992), der Gründung des ‚Jamaican Forum for Lesbians, All-Sexuals and Gays‘ (J-FLAG) im Jahr 1998 und dem damit verbundenen offeneren Auftreten schwullesbischer jamaikanischer Aktivist_innen selbst hatten die Auseinandersetzungen, wenn ich mich richtig erinnere, 2004 ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden, als im Juni desselben Jahres zunächst Brian Williamson, ein Mitbegründer von J-FLAG ermordet wurde und dann auch noch publik wurde, dass Buju Banton, von manchen trotz der Auseinandersetzungen um ‚Boom By By‘ immer noch wegen seiner antirassistischen und Anti-Establishment-Text geschätzt, an einem handgreiflichen Angriff auf eine Gruppe schwuler Männer beteiligt gewesen sein sollte. Im Folgemonat lancierte u.a. OutRage! die internationale Kampagne ‚Stop Murder Music‘, Boykotte und Kampagnen gegen homophobe Dancehall-Acts nahmen zu, die Dancehall-Szene igelte sich vielfach ein (s. bspw. für den trübseligen deutschen Fall das ‚Reggae under Attack‘-Heft der Riddim von Ende 2004), jamaikanische Kulturwissenschaftler_innen wie Carolyn Cooper liefen zur Verteidigung der für die Außenhandelsbilanz des krisengeschüttelten Landes ja wahrlich nicht gerade unwichtigen Toaster auf (s. bspw. Carolyn Cooper: Sound clash. Jamaican dancehall culture at large. New York u.a. 2004), und diese selbst stellten sich, naja, stur, brachten teilweise obskure Verteidigungen vor und unterzeichneten schließlich 2007 nicht zuletzt auf Druck der Musikindustrie hin teilweise den ‚Reggae Compassionate Act‘, dem zufolge sie sich verpflichteten, auf schwulenfeindliche Songs hinfort zu verzichten.

Dass man sich daran vielfach nicht gehalten hat, ist bekannt und wird immer wieder publik durch Konzertberichte, aber auch durch öffentliche Interviews, wie sie bspw. Sizzla im Rahmen seiner diesjährigen Afrika-Tournee wiederholt gab. Hier ein Videomitschnitt seines Interviews mit dem südafrikanischen Mail & Guardian (s. v.a. 0:50-2:13):

Andererseits scheint es aber, und ich denke, dass wäre vielleicht einmal aufzuarbeiten und irgendwie zentral zu dokumentieren, doch bereits in den letzten Jahren etwas an Bewegung im Dancehall-Lager gegeben haben. So riefen im Falle der mir nun wahrlich nicht als irgendwie progressiv bekannten Dancehall-Band T.O.K., deren notorischen ‚Chi Chi Man‘-Song die rechte ‚Jamaica Labour Party‘ 2001 als Wahlkampf-Hymne adaptierte, Schweizer Stop Murder Music-Campaigner im August 2009 dazu auf, „von künftigen Störungen von T.O.K.-Konzerten Abstand zu nehmen“, da die Gruppe glaubhaft versichert habe, mit ihrer homophoben Vergangenheit gebrochen zu haben.

Ein neues Stadium haben die Auseinandersetzungen um Homophobie in der Dancehall jetzt vielleicht Anfang Oktober 2010 erreicht – und wie so oft kommt die Intervention von den Rändern her -, denn erstmals hat mit dem mir bisher unbekannten Mista Majah P ein – inzwischen in den USA ansässiger – Dancehall-Artist eine Single veröffentlicht, in der ausdrücklich schwullesbische Rechte eingefordert werden. Hier der Video zu Mista Majah P: Rights (2010):

Und hier dazu ein kurzer Kommentar der Murder Inna Dancehall-Macher:

Four years ago, Tanya Stephens broke ground by including a gay character in her song ‚Do You Still Care?‘ Now rastafarian artist Mista Majah P push the message much further by devoting a whole song about gay rights. His song is more than welcome. Mista Majah P was born in Kingston Jamaica, but migrated to Canada at an early age. He was the recipient of the Canadian Reggae music award on several occasions. P now resides in the United States (Oakland, California). Hi manager, Tony T, said these are the main issues why Majah P was prompted to release the song ‚Rights‘.“What my artist hope to accomplish is to start a conversation between the gay community, the reggae artists and the world. The reason is my artist is tired of having door slam in his face and the face of all reggae artist and fellow Jamaican who get blame for what a few do or what they think or believe in. You have to remember that not all reggae artist or Jamaican hate or discriminate against gays. My artist biggest problem is he believes he is being stereotype by certain people or certain organization saying that you got dread and you come from Jamaica, right away they single you out saying there is another Jamaican who is using his music to spread hate and death and that has to stop.”

Es wäre zu hoffen, dass dies nicht nur ein Distinktionsspiel, sondern auch ein Symptom für tiefergehende Verschiebungen von Positionierungen und Kräfteverhältnissen in der internationalen wie auch jamaikanischen Dancehall-Szene selbst ist. Einige wenige weitere, allerdings kleinere Momente möglicher Umbrüche lassen sich in der Chronologie auf Murder Inna Dancehall finden.

Möglich sollte das in jedem Fall sein, denn, dass sollte mensch sich vergegenwärtigen, es ist trotz der bekannt problematischen Rastafari-Doktrinen in Gender-Fragen nicht so, dass Reggae/Dancehall quasi eine ursprünglich homophobe Musikform darstellen würde. Der älteste als homophob argumentierende, sich allerdings von der Rhetorik späterer homophober Dancehall-Attacken deutlich unterscheidende Reggae-Song wurde laut Cecil Gutzmore (Ders.: Casting the first stone. Policing homo/sexuality in Jamaican popular culture. In: interventions 6/2004, 118-134) ungefähr 1978 von dem jamaikanischen Deejay King Sounds aufgenommen – und vielleicht bezeichnenderweise nicht von einem orthodoxen Rastafari, sondern vielmehr von Vivian Jackson aka Yabby You produziert: King Sounds & the Israelites: Spend One Night In Babylon (ca. 1978).

Für weiterführenden Infos zu der TOK-Geschichte etc. sowie zu etwaig älteren homophoben Reggae-Songs wäre ich übrigens dankbar, postet dass doch bitte ggf. im Kommentar …

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