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Sozial.Geschichte Online: Heft 4(2010) erschienen

Rechtzeitig zum Jahresende ist das neue vierte Heft von Sozial.Geschichte online freigeschaltet worden. Neben konzeptionellen und empirischen Aufsätzen zur Geschichte der Arbeit sowie zum ursprünglich geplanten Schwerpunkt ‚urbane soziale Kämpfe‘ findet sich auch die Übersetzung eines neuen Aufsatzes von Pun Ngai und Lu Huilin über Lage und Kämpfe der zweiten Generation chinesischer BauernarbeiterInnen, der nicht in dem sehr empfehlenswerten Band ‚Aufbruch der zweiten Generation. Wanderarbeit, Gender und Klassenzusammensetzung in China‘ (Berlin 2010) enthalten ist. Hier das englische ‚abstract‘ des aus Modern China übernommenen Textes:


„As a result of its open-door policies and 30 years of reform, China has become the “world’s factory” and given rise to a new working class of rural migrant workers. This process has underlain a path of (semi-)proletarianization of Chinese peasant-workers: now the second generation is experiencing dagong, working for a boss, in industrialized towns and cities. What is the process of proletarianization of peasant-workers in China today? In what way does the path of proletarianization shape the new Chinese working class? Drawing on workers’ narratives and our ethnographic studies in Shenzhen and Dongguan between 2005 and 2008, this study focuses on the subjective experiences of the second generation of dagongmei/zai, female migrant workers/male migrant workers, who have developed new forms of power and resistance unknown to the previous generation of workers. Did the pain and trauma experienced by the first generation of dagong subjects gradually evolve into the anger and resentment that has conditioned the labor strikes and class actions of the second generation? In short, what continuity and change can we observe in the life struggles of this new working class? Is the second generation of dagong subjects compelled to take action as a result of long-endured pain and anger? Self, anger, and collective action among the new working class propel the narrative described in this article.“

Und hier das Inhaltsverzeichnis des neuen Hefts:


Forschung / Research

Sarah Kiani, « La maison, l’occupation, c’est une situation que nous avons créée, un territoire que nous avons libéré… » Quand le Mouvement de Libération des Femmes de Genève prend la forme d’un mouvement urbain

Ralf Ruckus, Hintergründe der Proletarisierung und Klassenneuzusammensetzung in China

Pun Ngai / Lu Huilin, Unvollendete Proletarisierung – Das Selbst, die Wut und die Klassenaktionen der zweiten Generation von BauernarbeiterInnen im heutigen China

Diskussion / Discussion

Raquel Varela, ‘Who is the Working Class?’ On Workers of the World by Marcel van der Linden

Max Henninger, Marxismus und ländliche Armut

Zeitgeschehen / Current Events

Alexander Schlager, Die Proteste gegen „Stuttgart 21“

Ian Bekker / Lucien van der Walt, The 2010 mass strike in the state sector, South Africa: positive achievements but serious problems

Max Henninger, Sommer 2010: Ernährungskrise in der Sahelzone

Tagungsbericht / Conference Proceedings

Britta Grell / Henrik Lebuhn, Konferenzbericht: Metropolenpolitik. Praxis – Kritik – Perspektiven. Eine internationale Stadtkonferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung, 9./10. Juli 2010

Die einzelnen Aufsätze findet ihr – wie üblich for free – hier hier.

„Rights“: Kräfteverschiebungen inna di Dancehall?

Das ist doch mal eine gute Nachricht: Ein kanadischer Dancehall-Artist tritt auf seiner neuen Single für schwullesbische Rechte ein.

In den letzten zwei Jahrzehnten sind Reggae und Dancehall ja fast schon zum Synonym für homophobe Musik geworden. Nach ersten Debatten um Buju Bantons ‚Boom By By‘ (1992), der Gründung des ‚Jamaican Forum for Lesbians, All-Sexuals and Gays‘ (J-FLAG) im Jahr 1998 und dem damit verbundenen offeneren Auftreten schwullesbischer jamaikanischer Aktivist_innen selbst hatten die Auseinandersetzungen, wenn ich mich richtig erinnere, 2004 ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden, als im Juni desselben Jahres zunächst Brian Williamson, ein Mitbegründer von J-FLAG ermordet wurde und dann auch noch publik wurde, dass Buju Banton, von manchen trotz der Auseinandersetzungen um ‚Boom By By‘ immer noch wegen seiner antirassistischen und Anti-Establishment-Text geschätzt, an einem handgreiflichen Angriff auf eine Gruppe schwuler Männer beteiligt gewesen sein sollte. Im Folgemonat lancierte u.a. OutRage! die internationale Kampagne ‚Stop Murder Music‘, Boykotte und Kampagnen gegen homophobe Dancehall-Acts nahmen zu, die Dancehall-Szene igelte sich vielfach ein (s. bspw. für den trübseligen deutschen Fall das ‚Reggae under Attack‘-Heft der Riddim von Ende 2004), jamaikanische Kulturwissenschaftler_innen wie Carolyn Cooper liefen zur Verteidigung der für die Außenhandelsbilanz des krisengeschüttelten Landes ja wahrlich nicht gerade unwichtigen Toaster auf (s. bspw. Carolyn Cooper: Sound clash. Jamaican dancehall culture at large. New York u.a. 2004), und diese selbst stellten sich, naja, stur, brachten teilweise obskure Verteidigungen vor und unterzeichneten schließlich 2007 nicht zuletzt auf Druck der Musikindustrie hin teilweise den ‚Reggae Compassionate Act‘, dem zufolge sie sich verpflichteten, auf schwulenfeindliche Songs hinfort zu verzichten.

Dass man sich daran vielfach nicht gehalten hat, ist bekannt und wird immer wieder publik durch Konzertberichte, aber auch durch öffentliche Interviews, wie sie bspw. Sizzla im Rahmen seiner diesjährigen Afrika-Tournee wiederholt gab. Hier ein Videomitschnitt seines Interviews mit dem südafrikanischen Mail & Guardian (s. v.a. 0:50-2:13):

Andererseits scheint es aber, und ich denke, dass wäre vielleicht einmal aufzuarbeiten und irgendwie zentral zu dokumentieren, doch bereits in den letzten Jahren etwas an Bewegung im Dancehall-Lager gegeben haben. So riefen im Falle der mir nun wahrlich nicht als irgendwie progressiv bekannten Dancehall-Band T.O.K., deren notorischen ‚Chi Chi Man‘-Song die rechte ‚Jamaica Labour Party‘ 2001 als Wahlkampf-Hymne adaptierte, Schweizer Stop Murder Music-Campaigner im August 2009 dazu auf, „von künftigen Störungen von T.O.K.-Konzerten Abstand zu nehmen“, da die Gruppe glaubhaft versichert habe, mit ihrer homophoben Vergangenheit gebrochen zu haben.

Ein neues Stadium haben die Auseinandersetzungen um Homophobie in der Dancehall jetzt vielleicht Anfang Oktober 2010 erreicht – und wie so oft kommt die Intervention von den Rändern her -, denn erstmals hat mit dem mir bisher unbekannten Mista Majah P ein – inzwischen in den USA ansässiger – Dancehall-Artist eine Single veröffentlicht, in der ausdrücklich schwullesbische Rechte eingefordert werden. Hier der Video zu Mista Majah P: Rights (2010):

Und hier dazu ein kurzer Kommentar der Murder Inna Dancehall-Macher:

Four years ago, Tanya Stephens broke ground by including a gay character in her song ‚Do You Still Care?‘ Now rastafarian artist Mista Majah P push the message much further by devoting a whole song about gay rights. His song is more than welcome. Mista Majah P was born in Kingston Jamaica, but migrated to Canada at an early age. He was the recipient of the Canadian Reggae music award on several occasions. P now resides in the United States (Oakland, California). Hi manager, Tony T, said these are the main issues why Majah P was prompted to release the song ‚Rights‘.“What my artist hope to accomplish is to start a conversation between the gay community, the reggae artists and the world. The reason is my artist is tired of having door slam in his face and the face of all reggae artist and fellow Jamaican who get blame for what a few do or what they think or believe in. You have to remember that not all reggae artist or Jamaican hate or discriminate against gays. My artist biggest problem is he believes he is being stereotype by certain people or certain organization saying that you got dread and you come from Jamaica, right away they single you out saying there is another Jamaican who is using his music to spread hate and death and that has to stop.”

Es wäre zu hoffen, dass dies nicht nur ein Distinktionsspiel, sondern auch ein Symptom für tiefergehende Verschiebungen von Positionierungen und Kräfteverhältnissen in der internationalen wie auch jamaikanischen Dancehall-Szene selbst ist. Einige wenige weitere, allerdings kleinere Momente möglicher Umbrüche lassen sich in der Chronologie auf Murder Inna Dancehall finden.

Möglich sollte das in jedem Fall sein, denn, dass sollte mensch sich vergegenwärtigen, es ist trotz der bekannt problematischen Rastafari-Doktrinen in Gender-Fragen nicht so, dass Reggae/Dancehall quasi eine ursprünglich homophobe Musikform darstellen würde. Der älteste als homophob argumentierende, sich allerdings von der Rhetorik späterer homophober Dancehall-Attacken deutlich unterscheidende Reggae-Song wurde laut Cecil Gutzmore (Ders.: Casting the first stone. Policing homo/sexuality in Jamaican popular culture. In: interventions 6/2004, 118-134) ungefähr 1978 von dem jamaikanischen Deejay King Sounds aufgenommen – und vielleicht bezeichnenderweise nicht von einem orthodoxen Rastafari, sondern vielmehr von Vivian Jackson aka Yabby You produziert: King Sounds & the Israelites: Spend One Night In Babylon (ca. 1978).

Für weiterführenden Infos zu der TOK-Geschichte etc. sowie zu etwaig älteren homophoben Reggae-Songs wäre ich übrigens dankbar, postet dass doch bitte ggf. im Kommentar …

Great Crisis Riseup: Mobilisierungs-Clip zur Herbstkampagne gegen die neoliberale Krisenpolitik

Rofl … Ich habe mich ja lange zurückgehalten, den Clip hier zu verlinken, aber irgendwie ist das Ding trotz allem lustig … und sicher gefundenes Fressen für die ideologiekritische Fraktion:

Daher jetzt auch hier: ARABs Mobilisierungs-Clip für den ‚heißen Herbst‘ 2010

Da bin ich ja mal gespannt, was am 26. November anläßlich der zur letzten Lesung des vom rechten Flügel des neoliberalen Blocks geplanten Sparpakets vorbereiteten Bundestagsblockade in Berlin noch so passiert …

R.I.P.: Gregory Isaacs (1951-2010)

Sicher gibt es aktuell interessantere und wichtigere Ereignisse, aber das soll doch hier mit Bedauern registriert werden:

Am vergangenen Montag ist mit Gregory Isaacs einer der bekanntesten, in den 70/80er Jahren zwischen Roots und Lovers Rock kreuzenden Reggae-Vokalisten an Lungenkrebs verstorben.

Isaacs war, wie könnte das bei der Erwähnung von Lovers Rock, einer Mitte der 70er Jahre in England entstandenen, weniger ‚politischen‘ Reggae-Variante, anders sein, nie einer meiner favourites, aber : Er trieb und wird weiterhin sein Unwesen treiben in einigen wunderschönen Dubs wie bspw. in Prince Jammys „Tam Tam“:

http://www.youtube.com/watch?v=izKFtNjC9CQ

Ein ausführlicher Nachruf findet sich im heutigen Independent.

Wir ziehen den Hut …

Bagatellkündigung im Darmstädter Cinemaxx

Mal wieder eine Bagatellkündigung in der Kinobranche, diesmal im Cinemaxx Darmstadt. Hier ein Auszug aus der Presseerklärung von Verdi vom 13.10.2010:

„Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor. Da wird eine Mitarbeiterin gekündigt, weil sie angeblich Getränke verschenkt bzw. Popcorn nicht richtig abgerechnet hat. Die Mitarbeiterin hat zwar Zeugen dafür, dass sie sich keineswegs schuldig gemacht hat. Trotzdem wird ihr gekündigt. Geschehen ist dies nicht bei einem Lebensmittel-Discounter, sondern im Cinemaxx Darmstadt, wie Anja Willmann von der Gewerkschaft ver.di, Landesfachbereich Medien am Mittwoch in Frankfurt a. M. mitteilte.

Nach Auffassung von Willmann versucht die Geschäftsleitung von Cinemaxx anscheinend auf diese Weise, Druck auf einzelne Beschäftigte auszuüben und damit auch die ganze Belegschaft einzuschüchtern. Besonders auffällig ist, dass die Kündigung kurz nach Ablauf des Kündigungsschutzes ausgesprochen wurde, den die Beschäftigte aufgrund ihres Engagements im Wahlvorstand bei der diesjährigen Betriebsratswahl hatte. Da liegt der Verdacht nahe, dass man nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist eine unliebsame Mitarbeiterin loswerden wollte.

Nachdem die Betroffene mit Hilfe von ver.di gegen die Kündigung vor das Arbeitsgericht gezogen ist, schickt die Geschäftsführung eine zweite Kündigung hinterher. Es wird ihr nunmehr ein Betrugsversuch unterstellt. Dieser sei, so ver.di „an den Haaren herbei gezogen und dient offensichtlich nur dazu, die Mitarbeiterin zu einem Vergleich zu bewegen“.

Die vollständige Erklärung findet sich hier. Aufmerksam darauf geworden bin ich wie auf so vieles durch den Newsletter von Labournet.

RAF-Geschichte: Kraushaar-Recherche über die Arbeit des Verfassungsschutz im Fall Buback

Ich stehe Wolfgang Kraushaars Forschungen zur Geschichte der 68er usw. ja grundsätzlich grosso modo eher skeptisch bis ablehnend gegenüber, aber dennoch an dieser Stelle der Hinweis, das Kraushaars neuestes Buch zur Geschichte der RAF, „Verena Becker und der Verfassungsschutz“, in dieser Woche von der Hamburger Edition veröffentlicht worden ist. Ich vermute mal nach der Lektüre erster Rezensionen, dass es durchaus etwas Wirbel machen könnte.

Ich habe das Buch noch gar nicht gesehen, aber Kraushaar scheint den Fall Buback erneut aufzurollen und eine Reihe von Indizien zu präsentieren, die Beckers „unmittelbare Tatbeteiligung“ (Kraushaar) und eine fortlaufende „Deckung ihrer Person von staatlicher Seite“ (Kraushaar) nahelegen. Damit würde der ‚Fall Buback‘, so Christian Bommarius in der heutigen Berliner Zeitung, zugleich zu einem“unerhörten Staatsskandal“, da, dass scheinen Kraushaars Recherchen nahezulegen, Verfassungsschutz und die Abt. Terrorismus im BKA die während ihrer Inhaftierung im Sommer 1972 als Informantin oder V-Frau angeworbene und „aus dem Ruder gelaufene V-Frau“ (Brommarius) Becker auch in eigenem Interesse vor einer Verurteilung bewahrt wollten und deshalb die Hintergründe des Attentats systematisch verschleiert hätten.

Hier kurz der Klappentext:

Aus dem Mordfall Buback ist ein Justizfall Becker geworden, der mehr und mehr die Züge einer Geheimdienstaffäre angenommen hat. Die RAF-Frau, die verdächtigt wird, an der Ermordung des obersten Staatsanwalts der Republik beteiligt gewesen zu sein, soll für den Verfassungsschutz gearbeitet haben. Das klingt eher nach dem Plot für einen Politthriller als einem ungeklärten terroristischen Verbrechen. Sollte ein Geheimdienst, dem die Aufgabe obliegt, die Verfassung zu schützen, tatsächlich eine Frau in ihren Diensten geführt haben, die von dem Karlsruher Mordkomplott entweder informiert oder gar an ihm beteiligt gewesen ist? Die Entstehung derartiger Fantasiekonstrukte kann nur verhindert werden, wenn der Aufklärung eine ernst zu nehmende Chance geboten wird.

Wolfgang Kraushaar hat die Beziehungen bundesdeutscher Geheimdienste zum Terrorismus genau rekonstruiert und untersucht die Frage, seit wann und in welchem Zusammenhang Verena Becker mit dem Verfassungsschutz kooperiert haben könnte.

Perlentaucher hat hier eine nur bedingt interessante Leseprobe online gestellt, in der Kraushaar v.a. Indizien für die These präsentiert, Beckers unmittelbare Beteiligung an der Erschießung Bubacks sei staatlicherseits vertuscht worden. Hier findet sich zudem die Rezension von Brommarius in der FR-Version vom 12.10.2010, hier eine Rezension von Wolfgang Gast in der gestrigen taz.

„Dem crazy baldheads are my mates“: Punky Reggae Party Revisited

Vielleicht ist das mit der Punky xxx Party nicht mehr so ganz vertraut … Daher hier der Song von Bob Marley von 1977:

Und hier ein Kommentar zu der ganzen Geschichte aus den Memoiren von Don Letts, einem jamaikanischen Migranten 2. Generation und, naja, undogmatischen Rastafari, der in den 70ern mit Jeanette Lee, der heutigen Chefin von Rough Trade, in Acme Attractions, einem der neben Vivienne Westwoods ‚Sex‘ wichtigen Klamottenläden auf der King’s Road arbeitete, dort Lydon, Strummer und Co. kennenlernte, 1977 als Resident DJ im Londoner Punkrocker HQ ‚Roxy‘ Dub Plates (sic!) auflegte, zum Filmemacher avancierte usw. usf.:

„A year or so later, when Bob Marley was staying in Oakley Street off the King’s Road after he had been shot in Jamaica, I went round to his house to collect money for some weed wearing my bondage trousers. He was to all intents and purposes in exile over here and we had an argument about punk.
On seeing my bondage trousers, he exclaimed, ‚What ya deal wid Don Letts dem nasty punk rockers, yu look like a bloodclaat mountaineer!‘
To which I replied, ‚Dem crazy baldheads are my mates‘ – or words to that effect. Needless to say, Bob became more familiar with the real deal (as opposed to the Daily Mirror version) during his UK stay, and was moved to record ‚Punky Reggae Party‘ a few months later.“ (Don Letts: Culture Clash. Dread meets Punk Rockers. London 2008, 76)

Letts bisher bisher nur auf Englisch vorliegende Memoiren sind reichlich anekdotenhaft und plaudrig und daher letztlich nur sehr bedingt interessant bzw. empfehlenswert – d.h. ihr müsstet schon sehr genau wissen, was euch eigentlich interessiert, um sie mit Gewinn zu lesen – aber zumindest zwei Sachen kann man daraus lernen: Erstens entwickelte sich die Allianz zwischen Punk und Reggae bzw. schwarzen und weißen Jugendlichen in England nach 1976/77 nicht so einfach und naturwüchsig, wie das v.a. in gängigen Musikgeschichten a la Jon Savage oft behauptet wird; sie wurde vielmehr von Leuten wie Letts oder den ‚Rock against Racism‘-Campaignern, die ja wie Letts auch nicht wirklich Musiker waren, ganz wesentlich erst mit produziert. Und zweitens sollte man vorsichtig sein mit allzu grossen essentialistischen Thesen vom vermeintlich grundsätzlich und immer schon reaktionären Charaker der (nun wirklich auch nicht so alten) Rastafari-Sache, wie das im Kontext der Kampagnen gegen homophobe Dancehall-Artists öfter behauptet wird …

Hier dazu eine weitere interessante Anekdote von Letts:

„I remember taking Ari to a Twelve Tribes meeting in Kennington. The Twelve Tribes is basically the most myterious school of Rasta thought, relating to the twelve different star signs and could better be described as a society within a religion. I do not know what possessed me to take Arianna from the Slits to this meeting. When I look back on the whole event, I must have been fucking crazy! The Rasta elders were there, and passed me the chalice and I passed it to Arianna. Worries! According to the fundamental aspects of Rastafari, just like most belief systems, giving the chalice to a woman was a no-no. I did not have this gender problem thing, Arianna was one of my brethren. There was a big argument about it an d we were kicked out of the building. Ari did not care then, and she does not care now.“ (Ebd. 114f)

Punky Mento Party: Jolly Boys proben „Blue Monday“

Klasse Sache: Ich kenne mich zwar mit Rocksteady, Reggae usw. ganz gut aus, doch von älteren und anderen karibischen Musikformen habe ich leider wenig Ahnung – und das, wo doch die Calypso-Compilation „Calypsos from Trinidad. Politics, Intrigues & Violence in the 1930s“ (Aarhoolie 1991) immer noch eine meiner absoluten Lieblings-Arbeiter(Innen)-Liedersammlungen darstellt.
Ich muß da mal was nachholen, denn ich bin bereits vor einiger Zeit über diese wunderhübsche Probeaufnahme gestolpert und schaue das inzwischen immer wieder: Die Jolly Boys, eine seit 1955 existente jamaikanische Mento-Band, proben New Orders „Blue Monday“ – and I love it! Check it out:

Gefunden habe ich das – übrigens im Rahmen einer kleinen Recherche zum Fletcher Christian-Nachfahren (you remember the ‚Mutiny on the Bounty‘?) Errol Flynn, der die Band in den 50ern für Konzerte in seinem jamaikanischen Anwesen engagierte und, wenn ich mich richtig erinnere, den Namen der Band vorschlug – bei Marco On The Bass; dort gibt es auch mehr über die Jolly Boys zu lesen sowie einige Links usw. zu weiteren Probeaufnahmen und einer Doku über die Band.

Noch ‚mal zurück zu Aarhoolies wirklich umwerfender Calypso-Arbeiterlieder-Edition – keine Ahnung, ob es die noch gibt nach inzwischen gut 20 Jahren. Hier zwei Auszüge daraus: Lord Executors „I Don’t Know How The Young Men Are Living“ (1937) und The Caressers „Oh Gertie!“ (193?)

Und wo wir gerade dabei sind: Wusstet ihr eigentlich, dass Leroy Calliste, einer der berühmtesten trinidadischen Calypso-Sänger, in den 50ern „Black Stalin“ als Künstlernamen wählte?

Jubiläums-Clip:25 Jahre ISD

Irgendwie komme ich erst jetzt dazu, den Blog langsam wieder anzuwerfen und das hier zu posten:

Die ISD, vormals ‚Initiative Schwarze Deutsche‘ und Mitte der 90er Jahre in ‚Initiative Schwarze Menschen in Deutschland‘ umbenannt, richtete im August diesen Jahres ihr 25. Bundestreffen aus. Anläßlich des 25-jährigen Bestehens der Organisation wurde ein kleiner Geburtstagsfilm produziert, in dem verschiedene AktivistInnen die Initiative kurz vorstellen. Der Film steht seit Ende September online, ist auf Youtube aber wegen der Musiksamples zumindest hierzulande bereits nicht mehr einsehbar. Das ist natürlich ärgerlich, aber sagen wir mal so, ich kann auch nicht so recht nachvollziehen, warum für den Clip ausgerechnet Dr. Dres „Nuthin‘ but a G Thang‘ gesampelt wurde …

Hier findet sich der Video noch:

Und trotz allem natürlich nachträglich Gratulationen und alles Gute für die nächsten Jahre …

Hapoel Tel Aviv-Übertragungen in Berlin?

Um den (oder das?) Blog mal für ’ne Nachfrage zu mißbrauchen: Es ist ja echt selten, dass Vereine, die im Kontext der Arbeiterbewegung entstanden, heutzutage noch mit Hämmern und Sicheln hantieren – das gleiche gilt wohl für ihre Fans. Und noch seltener ist es, wenn sie dann auch noch im sogenannten internationalen „Spitzensport“ mitmischen, der mich i.d.R. ja nun wirklich nicht sonderlich interessiert. Aber im Fall von Tel Aviv ist das dann nun schon was anderes … Und da mir jetzt wer ein schönes neues knallrotes Hapoel-Heimtrikot aus ’nem Jerusalemer Printshop mitgebracht hat, dass ich erstmal wieder waschen kann, ohne zu riskieren, dass Hammer, Sichel und der in die Zukunft zeigende Arbeiter danach verschwunden sind, wie das bei meinem alten leider inzwischen der Fall ist, die Frage in die Runde:

Werden eigentlich die aktuellen Champions League-Spiele von Hapoel irgendwo in irgendeiner Berliner Kneipe (vorzugsweise Kreuzberg oder Neukölln) übertragen?

Fall irgendwer, der/die hier zufällig vorbeisurft, über irgendwelche Infos in der Richtung verfügt, dann postet die doch bitte in einem Kommentar – vielleicht mit nem Hinweis, so möglich, wie denn die „politische Situation“ vor Ort einzuschätzen ist … Ich wär euch sehr dankbar für jede Info …

Wobei, oh oh, Lissabon führt schon 1:0 … oO … da muss jetzt so ein Tor her: